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Germany: SEX WORKERS' RIGHTS DAY: ICRSE LAUNCHES BRIEFING PAPER ON GERMANY’s NEW “PROSTITUTES PROTECTION ACT”

[DEUTSCH UNTEN]

To mark the International Sex Workers’ Day, celebrated each year on June 2nd to commemorate the occupation of the Saint-Nizier Church in Lyon, France, by 100 sex workers in 1975, ICRSE launches a briefing paper titled “Professed Protection, Pointless Provisions – Overview of the German Prostitutes Protection Act (Prostituiertenschutzgesetz – ProstSchG)”.

The briefing paper was developed by ICRSE in collaboration with Hydra e.V. and the Professional Association Erotic and Sexual Services (Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen, BesD e.V.). It aims to offer policy makers, sex workers, and sex workers’ allies an analysis of Germany’s new “Prostitutes Protection Act” and its expected impact on sex workers, and outline recommendations from the sex worker community.

As noted therein, ICRSE has serious concerns about the ways the “Prostitutes Protection Act” will significantly undermine many of sex workers’ fundamental rights. The mandatory
registration of sex workers and the possibility of issuing administrative orders against them limit their right to freedom of vocational choice, and the extensive means of surveillance that the “Prostitutes Protection Act” affords the authorities infringes the constitutional right of the inviolability of the home. The recording of personal data in connection with information about persons’ sexual life is a particularly serious issue as it violates the fundamental right to informational self-determination and the directive of the European Parliament on “the protection of individuals with regard to the processing of personal data”. Given the impossibility of providing absolute data protection, the upcoming collection of this personal information is highly problematic.

The “Prostitutes Protection Act”, in the form that it will come into effect on July 1, 2017, only pretends to be a law for the protection of sex workers. The regulations provided therein fail to support both sex workers and trafficked persons. Instead, the law will force sex workers into illegality, especially those working together at apartments as well as migrant, trans, and otherwise particularly vulnerable individuals in sex work. What is labelled as protection is in large parts simply a law aimed at repressing sex work.

We invite sex workers and policy makers to read the briefing paper and take note of the recommendations from the sex workers’ community.

The briefing paper will be officially launched at a press conference and community event in Berlin on June 2nd.

Click here or on the cover below for  the German version.

Click here or on the cover below for the English version.

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[DEUTSCH]

Anlässlich des Internationalen Hurentags, der an jedem 2. Juni der Besetzung der Saint-Nizier-Kirche im franzöischen Lyon im Jahr 1975 durch 100 Sexarbeiterinnen feierlich gedenkt, präsentiert das Internationale Komitee für die Rechte von Sexarbeiter*innen in Europa (ICRSE) ein Briefing Paper mit dem Titel „Vorgeblicher Schutz, Vergebliche Maßnahmen: Überblick über das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchg)“.

Das Briefing Paper wurde vom ICRSE in Zusammenarbeit mit Hydra e.V. und dem Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) e.V. mit dem Ziel entwickelt, sowohl politischen Entscheidungsträger*innen als auch Sexarbeiter*innen und ihren Unterstützer*innen eine Analyse des neuen deutschen „Prostituiertenschutzgesetzes“ und dessen erwarteten Auswirkungen auf Sexarbeiter*innen anzubieten, sowie Empfehlungen der Gemeinschaft von Sexarbeiter*innen zu unterbreiten. 

Wie darin erklärt, hegt das ICRSE ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Art und Weise, mit der das „Prostituiertenschutzgesetz“ die Grundrechte von Sexarbeiter*innen untergräbt. So beschränken die Anmeldepflicht und die Möglichkeiten, Anordnungen gegenüber Sexarbeiter*innen zu erlassen, das Recht auf freie Berufswahl, und die weitreichenden Überwachungsmöglichkeiten, die das ProstSchG den Behörden gegenüber Sexarbeiter*innen einräumt, verletzen das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung. Besonders schwer wiegt die Speicherung persönlicher Daten in Verbindung mit Informationen zum Sexualleben einer Person, denn sie verletzt das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und die Richtlinie des Europäischen Parlaments zum „Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten“. In Anbetracht der Tatsache, dass ein absolut sicherer Datenschutz unmöglich gewährleistet werden kann, ist die zukünftige Datenerhebung damit höchst problematisch.

Fazit

Das „Prostituiertenschutzgesetz“ ist in der Form, in der es am 1. Juli 2017 in Kraft treten wird, nur vorgeblich ein Gesetz zum Schutz von Sexarbeiter*innen und die darin enthaltenen Maßnahmen sind vergeblich, um Sexarbeiter*innen auf der einen Seite und Betroffene von Menschenhandel auf der anderen nachhaltig zu unterstützen. Stattdessen werden insbesondere in Wohnungen gemeinsam arbeitende Sexarbeiter*innen sowie migrantische, transidente, und anderweitig spezifisch vulnerable Sexarbeiter*innen von diesem Gesetz in die Illegalität gedrängt. Wo Schutz draufsteht, ist daher in großen Teilen schlicht ein Gesetz zur Verdrängung der Sexarbeit enthalten. 

Wir laden Sexarbeiter*innen und politische Entscheidungsträger*innen dazu ein, das Briefing Paper aufmerksam zu lesen und die Empfehlungen der Gemeinschaft von Sexarbeiter*innen zu beachten.

Download

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